Aus dem Papageienleben von Niko


Das ist nur eine kleine Geschichte und Niko nur ein Papagei von vielen. Aber die Geschichte zeigt, was uns motiviert.


Die zwei Leben der Gelbwangenamazone Niko

Niko (im Hintergrund links im Bild) ist ein 28-jähriger Gelbwangenamazonen-Mann mit weichem Kern und harter Schale. Seine Hobbys sind Klettern, Wandern, Klicker-Training, in der Sonne dösen, lauwarm Duschen  und Schmusen.

 

Seine Leibspeisen sind selbstgemachter Papageieneintopf, Kokosnuss und frischer Apfel und ab und zu ein leckerer Mais.

 

Sein ganzes Herz gehört Flora (rechts im Bild), seiner 17-jährigen Amazonen-Dame. Mit ihr lebt Niko nach 23 Jahren Einsamkeit in fester Beziehung zusammen. Gemeinsam balgen sich die beiden, suchen neue Futterverstecke in ihrer Voliere, arbeiten an der Inneneinrichtung oder verfolgen einen Target-Stick.

 

 

Unersetzlich sind die leidenschaftlichen Momente des Ehelebens; vor allem auch das "Kontaktsitzen" beim Einschlafen – so spürt man auch im Dunkeln, dass man nicht alleine ist.

 

Gemeinsame Gefiederpflege ist zärtlich wie praktisch zugleich: Es stärkt die Paarbindung und ermöglicht auch die Pflege schwer zugänglicher Stellen wie z.B. am eigenen Hinterköpfchen. Man muss man sein Glück eben teilen, um es zu vermehren.

Niko führt heute ein glückliches zweites Papageienleben in Menschenhand mit allem, was dazu gehört. Abgesehen davon, dass er menschlichen Frauen gegenüber skeptisch und generell eher ängstlich ist und bis heute nicht fliegen kann. Das kam so …

Aus dem ersten Leben von Niko

Niko wurde 1989 als Jungvogel von einem Züchter in einer Holzkiste an einen Mann verkauft, der seiner Frau ein besonderes Geschenk zum Hochzeitstag machen wollte. Zusammen hatte das Paar während einer Urlaubsreise in einem Tierpark eine Papageien-Show gesehen, bei der die Frau ihre Begeisterung für diese klugen Tiere mit ihrem Mann teilte. So sollte sie bald darauf ihren eigenen Papagei haben. Nur einen einzelnen Papagei sollen sie halten, damit er zahmer wird, sagte der Züchter.

 

Als Überraschung stand Niko in der dunklen, uneinsehbaren Kiste auf dem Küchentisch und wartete darauf, ausgepackt zu werden ...

Als die Besitzerin die Kiste geöffnet hatte und freudestrahlend mit beiden Händen das Tier greifen wollte, biss Niko eine stark blutende Fleischwunde in den Daumen der Ehefrau.

 

Ab diesem Moment (über)lebte Niko für die folgenden 23 Jahre in einem Rundkäfig, dessen Durchmesser von 40 cm es ihm nicht erlaubte, seine Flügel zu öffnen. Nikos Muskulatur schwand – fliegen konnte er in seinem ganzen Leben nur in den wenigen Monaten zwischen Flüggesein und Verkauf. Niko fliegt bis heute nicht.


Der Käfig hatte nur eine glatte und gerade Stange, die seinen Füßen nur eine Griffstärke bot und damit den Gelenken schadete. Und eine Schaukel, die als einzige Bewegungsmöglichkeit Verhaltensstörungen verursachte. Wenn Niko sich unwohl fühlt, bewegt er sich bis heute auf festen Untergründen hin und her, als ob er schaukeln würde. Ein lustiges Bild – wenn man nicht weiß, woher diese Bewegung rührt.


Niko hatte Glück, dass er nicht wie andere Leidensgenossen abgedeckt auf den Dachboden oder in einen Schuppen gesperrt wurde. Sein Pech war sein Standort inmitten eines Wohnzimmers zweier starker Raucher, was seinen empfindlichen Atmungsapparat schädigte. Niko bekommt bis heute ohne erkennbaren Grund hin und wieder schlecht Luft, sitzt mit offenem Schnabel und geschlossenen Augen (VkTA involviert).


Nikos Futter war zu dieser Zeit einseitig und nicht artgerecht. Er hatte immerhin einen Menschen, dem er vertraute, von dem er sich kraulen ließ und auf dessen Schulter er gerne sitzen mochte. Schade nur, dass sein einziger „Freund“, der Ehemann, ihn nur zwei Mal im Jahr aus seinem Käfig nahm.

 

Niko wurde durch einen viel zu kleinen Käfig, schlechte Ernährung, fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten und vor allem durch die lange Einsamkeit zu einem sogenannten Problemvogel gemacht.


Nikos Halter verstarben bald, und niemand wollte den"bösartigen, bissigen und undankbaren" Vogel haben.

 

Das ist Alltag für hunderte dieser wunderbaren Tiere in Deutschlands Wohnzimmern, Kellern, Dachböden oder Geräteschuppen.

 

Helfen Sie uns, es ist nie zu spät.

 

Geben Sie Papageien wie Niko eine Chance auf ein zweites Leben.

 

Wir vermitteln Partner für Amazonen. Im Vogelpark Karlsruhe-Neureut wollen wir verwitweten und Tieren aus Einzelhaltung die Möglichkeit bieten, sich selbst einen passenden Partner auszusuchen, damit eine echte Paarbindung entsteht. Papageien brauchen einen passenden Partner, um psychisch gesund zu sein. Einzeln gehaltene Tiere leiden häufig unter Langeweile, Depressionen oder Aggressionen, weil der Mensch den (Sexual-)Partner nicht ersetzen kann.

 

Dass die Verpaarung bei Niko und Flora in Privathaltung geklappt hat, war Glücksache. Diesem Glück wollen wir im Vogelpark Karlsruhe-Neureut auf die Sprünge helfen: In geräumigen und unterteilbaren Volieren soll ein Zuhause für partnersuchende Amazonen entstehen, um danach verpaart in liebevolle Menschenhand zurückzukehren.

Geschichten wie diese motivieren uns, Papageien zu helfen.